Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar bietet jedes Jahr die Gelegenheit, die strukturellen Bedingungen, die wissenschaftliche Karrieren nach wie vor prägen, in den Fokus zu rücken. In diesem Jahr organisiert die UNESCO eine eintägige Veranstaltung unter dem Motto “From vision to impact: Redefining STEM by closing the gender gap”. Obwohl formale Gleichstellung seit langem auf dem Papier verankert ist, ist die alltägliche Realität an Universitäten und Forschungseinrichtungen nach wie vor von informellen Hierarchien, Abhängigkeitsverhältnissen und exklusiven Kommunikationskulturen geprägt. Diese Dynamiken beeinflussen, wer Gehör findet, wer unterstützt wird und letztendlich wer vorankommt.
„An diesem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft bekräftigt die UNESCO, dass wissenschaftlicher Fortschritt nur dann den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden kann, wenn er geteilt wird, inklusiv ist und von allen vorangetrieben wird.“
Khaled El-Enany, UNESCO Generalsekretät
Ein besonders aufschlussreicher Blickwinkel auf diese Probleme ergibt sich, wenn man die Pfadabhängigkeiten untersucht, die akademische Karrieren prägen. Wie navigieren Wissenschaftlerinnen durch Systeme, in denen der Zugang zu Netzwerken, Mentoring und institutioneller Unterstützung ungleich verteilt ist? Wie viele Frauen können ihre akademische Entwicklung anhand einer Kette weiblicher Mentorinnen nachvollziehen und wie viele Männer haben Karrierewege eingeschlagen, in denen zu keinem Zeitpunkt eine Frau eine Rolle gespielt hat? Diese Fragen werfen Licht auf die tief sitzenden Asymmetrien die immer noch Sichtbarkeit, Anerkennung und Erfolgschancen in der Wissenschaft beeinflussen.
Die bekannte Geschichte von Rosalind Elsie Franklin ist eine historische Anekdote darüber, wie ungleiche Macht- und Anerkennungsstrukturen wissenschaftliche Karrieren prägen: Obwohl ihre bahnbrechende Arbeit zur Röntgenbeugung für die Identifizierung der DNA-Doppelhelix von entscheidender Bedeutung war, ging der Nobelpreis 1962 an James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins. Ohne jede Erwähnung von Franklin, die 1958 verstorben war. Ihr eingeschränkter Zugang zu Netzwerken, ihr niedrigerer formeller Status in einem von Männern dominierten Umfeld und Wilkins‘ anfängliche Behandlung von ihr als Assistentin beeinflussten die Wahrnehmung ihrer Beiträge. Schwache Regeln zum Datenbesitz und informelle Netzwerke ermöglichten ein Weitereichen ihre Ergebnisse ohne ihr Wissen. Der Fall Franklin veranschaulicht somit deutlich, wie strukturelle Ungleichgewichte die wissenschaftliche Anerkennung beeinflussen.
Als Bundesverband Promovierende e.V. versuchen wir, Frauen in der Wissenschaft zu stärken, indem wir uns für transparente Betreuung, faire Arbeitsbedingungen und eine akademische Kultur einsetzen, die geschlechtsspezifischen Benachteiligungen entgegenwirkt. Eine treibende Kraft hinter diesem Engagement ist unsere Gleichstellungsbeauftragte Maren Weißig, deren engagierte Mitarbeit am Projekt „Gespräche mit Doktorandinnen – Frauen diskutieren ihre Wissenschaft“ die Sichtbarkeit von Forscherinnen in den Diskussionen stärkt. Durch diese gemeinsamen Bemühungen von vielen Promovierendenvertretungen können wir hoffentlich eine Welt schaffen in der Frauen einer wissenschaftliche Karriere mit den gleichen Möglichkeiten und der gleichen Anerkennung nachgehen können. Last uns alle daran mitarbeiten!



