Wir alle arbeiten als Promovierende in Deutschland in vielen Bereichen und mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, doch immer wieder zeigt sich, dass uns viele Probleme gleichermaßen betreffen. Eines der größten und am häufigsten unterschätzten Themen ist die mentale Gesundheit. Dieses Problemfeld beschäftigt nicht nur Promovierendenvertretungen, sondern wird zunehmend auch in der Forschung selbst untersucht, wie mehrere Beiträge in Nature eindrücklich zeigen. In Kommentarspalten zu Reportagen über den akademischen Arbeitskontext finden sich zudem zahlreiche Hinweise auf tiefe psychische Belastungen, strukturelle Überforderung und sogar traumatische Erfahrungen, die Promovierende im Wissenschaftssystem machen. Besonders deutlich wird dies in den Recherchen im Frühjahr 2025 zu den Arbeitsbedingungen an Max-Planck-Instituten in Sachsen, über die sowohl die Deutsche Welle als auch der Spiegel ausführlich berichtet haben und die zeigen, wie dringend strukturelle Veränderungen notwendig sind [1].
Mentale Gesundheit kein individuelles Problem
Es werden sehr häufig psychischer Belastungen beschrieben , die wir aus den lokalen Promovierendenvertretungen und der eigenen Forschung oft sehr gut kennen. Besonders alarmierend ist, dass strukturelle Faktoren wie unsichere Beschäftigung, hohe Leistungsanforderungen und fehlende Betreuungskultur als zentrale Ursachen benannt werden. Wir sehen darin einen klaren Auftrag an Hochschulen und Politik, Verantwortung zu übernehmen und endlich nachhaltige Verbesserungen einzuleiten. Fred Schwaller hat in einem Artikel im April 2025 [2], sehr gut aufgezeigt wie wichtig niedrigschwellige Unterstützungsangebote und eine enttabuisierte Gesprächskultur für Promovierende sind. Für uns unterstreicht das einmal mehr, dass mentale Gesundheit kein individuelles Problem ist, sondern ein systemisches Thema, das endlich ernst genommen werden muss.
Gute Promotionsbedingungen sind kein „Nice-to-have“!
Eine ausführliche Studie von Bergvall und und anderen aus dem Dezember 2025 liefert aus unserer Sicht wichtige empirische Evidenz für das, was Promovierende seit Jahren berichten. Besonders wertvoll ist, dass sie differenziert zeigt, wie stark Betreuung, Arbeitsumfeld und soziale Einbindung die psychische Gesundheit beeinflussen [3]. Für den Bundesverband bestätigt dies, dass gute Promotionsbedingungen kein „Nice-to-have“, sondern eine Grundvoraussetzung für wissenschaftliche Qualität sind. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Prävention und strukturelle Verbesserungen deutlich wirksamer sind als rein individuelle Bewältigungsstrategien. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass internationale und marginalisierte Promovierende besonderen Risiken ausgesetzt sind, was gezielte Maßnahmen erforderlich macht. Wir sehen darin einen klaren Auftrag, die Promotionsphase als vulnerable Lebensphase anzuerkennen und entsprechende Schutz- und Unterstützungsstrukturen verbindlich zu verankern.
Manchmal reicht eine Kaffeepause
Das Projekt hat sich uns auf unserer Jahreshauptversammlung mit einem neuen Ansatz vorgestellt, der deutlich macht, dass Unterstützung in der Promotionsphase nicht immer eine professionelle Therapie erfordert. Oft hilft bereits das Gespräch mit Menschen, die nachvollziehen können, unter welchem Druck man steht und welche Belastungen eine Promotion mit sich bringt. Und wer versteht diesen Stress besser als andere Personen aus dem wissenschaftlichen Umfeld, die ähnliche Erfahrungen machen oder gemacht haben? Dabei geht es nicht um psychologische Analyse, sondern um gemeinsame Zeit bei einem Tee oder Kaffee, die Raum für Austausch, Entlastung und gegenseitiges Verständnis schafft. Dieser niedrigschwellige Zugang ergänzt die Erkenntnisse aus den zuvor beschriebenen Studien und Reportagen, die zeigen, wie verbreitet mentale Belastungen im Promotionsalltag sind. Er macht zugleich deutlich, dass wir neben strukturellen Veränderungen auch solidarische Formen der gegenseitigen Unterstützung brauchen, um die mentale Gesundheit von Promovierenden nachhaltig zu stärken. Was haltet ihr von einem solchem Angebot mit anderen geschulten Forschenden in den Austausch zu kommen? Was sind deine Erfahrungen mit Gesprächen zu Kolleg:innen über Stress und andere psychologische Belastungen?
1 Machtmissbrauch an Max-Planck-Instituten – Esther Felden und Lewis Sanders (März 2025)
2 A mental-health crisis plagues PhDs – Fred Schwaller (April 2025)
3 The impact of PhD studies on mental health – Sanna Bergvall et al. (December 2025)



