Zwar betonen viele Hochschulen immer wieder, wie wichtig ihnen ihre Promovierenden sind, doch in der Praxis sieht es oft ganz anders aus. An vielen Standorten ist unklar, wie Promovierende überhaupt erreicht werden können, da zentrale Strukturen fehlen oder nur unvollständig funktionieren. Erschreckend viele Universitäten wissen nicht einmal, wer bei ihnen promoviert, bis eine Dissertation eingereicht wird und das Verfahren offiziell beginnt. Ohne eine verlässliche Registrierung bleiben Promovierende unsichtbar und haben somit keinen Zugang zu Beratung, Beteiligung oder Schutzstrukturen. Aber auch die Promovierendenvertretungen haben es ohne eine zentrale Struktur schwer, alle Promovierenden per E-Mail oder auf ähnliche Weise zu erreichen. Für uns als Bundesverband ist das ein strukturelles Problem, das die Qualität und Fairness der Promotionsphase massiv beeinträchtigt. Wie sieht es an eurer Hochschule aus? Gibt es funktionierende Wege, um wirklich alle Promovierenden zu erreichen?
Zentrale Registrierungen funktionieren bereits
Positive Beispiele wie die Universität Jena und die Technische Universität München zeigen, wie wirkungsvolle Strukturen zur Erreichbarkeit von Promovierenden aussehen können. Beide Hochschulen nutzen verpflichtende Online-Plattformen, über die sich neue Promovierende registrieren müssen, um in die zentrale Graduiertenstruktur eingebunden zu werden. In München geschieht dies über die „Doctoral Candidacy List” im System DocGS, in Jena wird das doc-in-System genutzt. In diesem müssen Promovierende mindestens einmal jährlich ihren Promotionsstand aktualisieren und eine gültige Kontaktadresse hinterlegen. Diese Systeme schaffen Transparenz und ermöglichen eine kontinuierliche Kommunikation über Beratungsangebote, Veranstaltungen oder wichtige administrative Informationen. Gleichzeitig stärken sie die Sichtbarkeit der Promovierenden und erleichtern es den Graduierteneinrichtungen, Bedarfe frühzeitig zu erkennen. Fazit: Wo funktionierende Registrierungssysteme existieren, profitieren sowohl die Promovierenden als auch die Hochschulen von klaren Strukturen und verlässlicher Erreichbarkeit.
Welche Vorteile hätte eine solche Registrierung?
Eine zentrale Registrierung stärkt die demokratische Legitimation der Vertretungen der Promovierenden, weil nur so klar ist, wen sie vertreten und wie diese Personen erreichbar sind. Ohne eine vollständige Kontaktbasis können Wahlen, Beteiligungsverfahren oder Befragungen nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Promovierenden einbeziehen und sind somit weniger verbindlich. Eine funktionierende Registrierung stellt sicher, dass alle Nachwuchsforschenden die gleichen Chancen haben, informiert zu werden, ihre Stimme abzugeben und sich selbst einzubringen. Dies ist auch deshalb wichtig, da der Bundesverband wiederum von den lokal gewählten Promovierendenvertretungen legitimiert wird und seine Arbeit nur dann wirklich repräsentativ ist, wenn die lokalen Strukturen demokratisch breit abgestützt sind. So entsteht eine durchgängige demokratische Kette von der einzelnen Promovierendenperson über die lokalen Vertretungen bis hin zum Bundesverband, die nur mit einer verlässlichen Erreichbarkeit aller Promovierenden stabil funktioniert.
Daher möchten wir mit euch in den Austausch kommen. Kennt deine Universität oder Hochschule dich, und kann deine Interessensvertretung dich sinnvoll erreichen? Welche Wege erachtet ihr als geeignet, um diesem Problem wirksame Lösungen entgegenzustellen? Besonders interessieren uns eure Erfahrungen mit funktionierenden oder fehlenden Strukturen und welche Modelle aus eurer Sicht wirklich tragfähig wären.



